Nachruf auf Prof. Dr. Klaus Weltner

Liebe Mitglieder der GDCP,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

mit diesen Zeilen habe ich die traurige Nachricht zu verkünden, dass unser hochgeschätzter Kollege Prof. Dr. Klaus Weltner in den letzten Tagen des Jahres 2020, am 28. Dezember, verstorben ist. Eine an die Gesellschaft andressierte Trauerkarte ist in der vergangenen Woche bei der Geschäftsstelle der GDCP eingegangen. Klaus Weltners umfassende physikdidaktische Arbeiten wie auch seine Leistung für die Gesellschaft sollen im Folgenden gewürdigt werden.

Professor Weltners berufliches Leben lässt auf mehr als sechs Jahrzehnte fachdidaktischen Wirkens zurückblicken. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der GDCP und war als solches gleichsam auch Ehrenmitglied unserer Gesellschaft. Von 1976 bis 1980 war Klaus Weltner, in Nachfolge des Gründungssprechers Wolfgang Bleichroth, Sprecher des Vorstands der GDCP. Seine fachdidaktische Laufbahn lässt sich jedoch weit länger zurückzeichnen.

In den Nachkriegsjahren hat Klaus Weltner an der Technischen Hochschule Hannover sowie an der Universität Bristol Physik studiert und wurde nach absolviertem Diplom mit einer Facharbeit über Plasmaphysik im Jahr 1954 promoviert. Bereits 1956 wurde er – im Alter von nur 28 Jahren – auf einen Lehrstuhl für „Physik und Chemie und ihre Didaktik“, so die damalige Denomination, an die Adolf-Reichwein-Hochschule in Osnabrück berufen. In fachlicher Hinsicht lag ihm in besonderem Maße die Beforschung und Vermittlung zentraler Aspekte der Flugphysik am Herzen. Hartnäckig hat er sich dafür eingesetzt, dass die tradierte Erklärung des Tragflächenauftriebs einer Revision unterzogen wurde und damit die Interpretation des Phänomens mithilfe des Bernoullischen Gesetzes vom Kopf auf die Füße gestellt wurde. Diese Bemühungen waren von Erfolg gekrönt, zahlreiche Lehrbücher der Physik mussten auf Basis dieser Erkenntnis korrigiert werden.

In methodischer Hinsicht widmete sich Klaus Weltner, ganz im kybernetischen Geist der sechziger und siebziger Jahre, der fachlichen Vermittlung mit Hilfe von Lernprogrammen, der sogenannten programmierten Unterweisung. Zeugnis dieser wissenschaftlichen Arbeit ist unter anderem seine Habilitationsschrift aus dem Jahr 1970, welche vom Springerverlag ins Englische übersetzt wurde, mit dem Titel „Informationstheorie und Erziehungswissenschaft“. Das von ihm entwickelte Leitprogramm rückt hierbei, deutlicher noch als andere kybernetische Ansätze und lange bevor Begrifflichkeiten wie „Selbstregulation“ oder „Lösungsbeispiele“ zu etablierten Konstrukten der Lehr-Lernforschung gehörten, das selbst-entscheidende, emanzipierte Subjekt in den Mittelpunkt der Steuerung des Lernvorgangs. Ein bis in die Gegenwart wirkendes sehr gegenständliches Produkt dieser Schaffensphase ist sein preisgekröntes Lehrbuch „Mathematik für Physiker“. Ganze Generationen von Studienanfänger*innen der Physik wurden und werden anhand dieses Buches, welches ebenfalls in das Englischsprachige übersetzt wurde und nach wie vor vom Springerverlag erfolgreich verlegt wird, ausgebildet.

Zu den zahlreichen weiteren Arbeitsschwerpunkten zählten einerseits seine Beiträge zur Entwicklung des „Nacherfindenden Unterrichts“, ein experimenteller Zugang zum naturwissenschaftlichen Unterricht, der vom heutigen Standpunkt als Vorläufer des Forschend-Entwickelnden Unterrichts angesehen werden kann und andererseits die inhaltliche Bestimmung und Klärung des Selbstverständnisses des Faches Technik sowie dessen wechselseitige Abgrenzung und Konsolidierung zum Fach Physik.

Schlussendlich, und dieses Engagement bedarf der besonderen Hervorhebung, war Klaus Weltner nicht nur Gründungsmitglied der GDCP. Den Prozess, auf dem Weg hin zur Gründung der GDCP, der zehn, vielleicht sogar 15 Jahre andauerte, hat Klaus Weltner  gemeinsam und im Verbund mit lediglich einer Handvoll Kolleg*innen begleitet und geprägt: Von der Teilnahme am Deutschen Pädagogischen Hochschultag im Jahre 1959, bis hin zur ersten eigenständigen physikdidaktischen Tagung in Heidelberg im Jahre 1969, leistete er seinen Anteil an der Emanzipation unserer Fachdisziplin und der „Befreiung aus der Vormundschaft der Pädagogik“, wie er selber einmal spitz formulierte. Dies war zweifelsohne die Stunde null der GDCP. Vier Jahre und vier Tagungen später fand dann in Göttingen die offizielle Gründung unserer Gesellschaft unter maßgeblicher Beteiligung von Klaus Welter statt. Die Arbeit war damit keineswegs getan, wie wir alle wissen. Klaus Welter blieb der GDCP, auch über seine Zeit als Vorstandssprecher hinaus, noch viele Jahrzehnte eng verbunden. Anlässlich seines achtzigsten Geburtstags im Jahr 2007 hat der damalige Sprecher des Vorstands, Horst Schecker, ein Buch zusammengestellt, das alle bis Dato eingereichten Beiträge von Klaus Weltner auf den Jahrestagungen der GDCP umfasst: Es sind nicht weniger als zweiunddreißig geworden. Bis in die jüngste Zeit, so haben mir die Kollegen von seiner Heimatuniversität, der Goethe-Universität Frankfurt, mitgeteilt, hat sich Klaus Weltner aktiv in den wissenschaftlichen Diskurs der Physikdidaktik eingebracht. 

Die Gesellschaft für Didaktik der Chemie und Physik ist Prof. Dr. Klaus Weltner zu tiefem Dank verpflichtet und wird ihm immer ein ehrendes Andenken bewahren.

Für den Vorstand der GDCP

Stefan Rumann, Essen