Naturwissenschaftsdidaktik und Dokumentarische Methode: Anwendungen und notwendige Ausschärfungen der Dokumentarischen Methode für die naturwissenschaftsdidaktische Forschung

Call for Participation

Die Dokumentarische Methode erfreut sich wachsender Beliebtheit in der qualitativ ausgerichteten naturwissenschaftsdidaktischen Forschung. Als rekonstruktive Forschungsmethode ermöglicht sie in besonderer Weise, Lernprozesse und deren Veranlassung und Verlauf im Detail zu analysieren und dabei die Bedeutung expliziter und impliziter Wissensbestände und Orientierungen zu betrachten. In der Erforschung naturwissenschaftlichen Unterrichts stellen sich dabei besondere Herausforderungen (etwa die Rolle von Experimenten und Gegenständen, die Rolle von Modellen und Abstraktionen, die Rolle von Kooperation und Ko-Konstruktion in Gruppenarbeiten und Schüler*innenexperimenten, die Bedeutung von Schüler*innenvorstellungen u.v.m.), die in der Theorieentwicklung bisher nicht systematisch zusammengestellt und diskutiert wurden.

Die Schwerpunkttagung bietet ein Forum, um Ergebnisse naturwissenschaftsdidaktischer Projekte, die mit der Dokumentarischen Methode arbeiten, vorzustellen und um gemeinsam an Daten zu arbeiten. Es ist uns ein Anliegen, auch Wissenschaftler*innen auf das Potential der Analysemethode für die naturwissenschaftsdidaktische Forschung aufmerksam zu machen, die bisher mit der Methode nicht oder nur wenig vertraut sind.

Darüber hinaus soll aber auch – gewissermaßen auf einer Metaebene – folgenden Fragen nachgegangen werden:

  • Für welche (typischen) naturwissenschaftsdidaktischen Fragestellungen eignet sich ein methodischer Zugang über die Dokumentarische Methode in besonderer Weise? Welche fachbezogenen Gegenstände können mit der Dokumentarischen Methode sinnvoll in den Blick genommen werden?
  • Welche Impulse zu methodischen Weiterentwicklungen und Ausschärfungen der Dokumentarische Methode lassen sich aus den spezifischen Herausforderungen und Anliegen der Naturwissenschaftsdidaktiken ableiten?

Eingeladen sind sowohl Wissenschaftler*innen aus dem Bereich der Naturwissenschaftsdidaktiken, die bereits dokumentarisch arbeiten und Ergebnisse berichten sowie methodologische Fragen aufwerfen können als auch „Neueinsteiger*innen”, die sich für Potential der Dokumentarischen Methode bezüglich der naturwissenschaftlichen Fachdidaktiken interessieren.

Eine Teilnahme an der Tagung ist explizit auch ohne eigenen Beitrag möglich.

Da die Tagung einen Arbeitscharakter hat und insbesondere für die Ausrichtung der Interpretationswerkstätten mit einem verbindlichen Kreis an Teilnehmer*innen geplant wird, bitten wir allerdings um feste Zusagen für die Tagungsteilnahme. Die Tagungsstruktur orientiert sich an einem Teilnehmer*innenkreis von max. 40 Personen.

 

Organisatorisches

Die GDCP Schwerpunkttagung wird online von 15.-17.07.2021 über die Videoplattform ‚Zoom’ stattfinden. Die Zugangsdaten werden allen Angemeldeten rechtzeitig übermittelt. Die Teilnahme ist mit und ohne eigenen Beitrag möglich. Verantwortlich für die Organisation sind Simone Abels (Leuphana Universität Lüneburg), Jürgen Menthe (Universität Hildesheim) und Thorid Rabe (Universität Halle).

Die Teilnahme ist kostenlos.

Eine Anmeldung muss bis 17.05.2021 erfolgt sein.

zur Anmeldung

 

Beitragsformat

Es sind Einreichungen in den folgenden Formaten möglich:

  • Interpretationswerkstatt (120 min): Das Workshopformat bietet ein Forum, in dem an eigenem (Daten-)Material aus aktuellen Projekten gearbeitet wird. Im Zentrum steht die intensive Zuwendung zu einem Material, das den Teilnehmer*innen der jeweiligen Interpretationswerkstatt bereits vor der Tagung zur Verfügung gestellt wird. Das können Transkripte, aber auch bereits erarbeitete Interpretationen basierend auf der Dokumentarischen Methode sein, die während der Werkstatt diskutiert werden. Genaue Hinweise dazu folgen per E-Mail nach Anmeldung. Neben der intensiven Arbeit am Material können auch methodische und methodologische Fragen besonders mit Blick auf Fachlichkeit diskutiert werden. Zu Beginn der Interpretationswerkstatt kann das Projekt in einer kurzen (max. 15 min.) Präsentation vorgestellt und Leitfragen für die Werkstatt formuliert werden, um dann in die Arbeit am Material einzusteigen.
    Einreichung: eine maximal zweiseitige Projektskizze mit der Formulierung von Fragen/Interessen für die Arbeit am Material exkl. Literatur
  • Vortrag: In Vorträgen von max. 20 Min. können Projektergebnisse bzw. abgeschlossene naturwissenschaftsdidaktische Projekte, die mit der Dokumentarischen Methode gearbeitet haben, oder theoretische Beiträge zum oben umrissenen Diskurs vorgestellt werden.
    Einreichung: maximal einseitiges Abstract exkl. Literatur

Die eingereichten Beiträge werden von der Tagungsleitung mit Blick auf inhaltliche Passung und Passung zur Tagungsstruktur ausgewählt. Abhängig von der Zahl der Einreichungen nehmen wir ggf. Anpassungen an der Tagungsstruktur vor.

 

Dissemination

Angedacht ist eine Publikation ausgewählter Beiträge in einem ZfDN Supplement. Die Beiträge durchlaufen das reguläre Begutachtungsverfahren der ZfDN (Autor*innenhinweise), werden aber vorab durch die Gasteditor*innen vorausgewählt und gebündelt eingereicht. Die Beiträge können Theoriepaper zur Dokumentarischen Methode in der Naturwissenschaftsdidaktik sein oder müssen finale Befunde aus empirischen Studien darstellen, die im Kontext der Naturwissenschaftsdidaktik mit der Dokumentarischen Methode gearbeitet haben. Jeder Beitrag soll zur Diskussion um die Ausschärfungen der Dokumentarischen Methode für die naturwissenschaftsdidaktische Forschung beitragen und sich an den Leitfragen der Tagung (s. Call) orientieren.

Bei Interesse muss bis 17.05.2021 unter Angabe der Autor*innen sowie ihrer Affiliation ein entsprechend aussagekräftiges abstract von 1500 Zeichen bei den Gasteditor*innen per E-Mail (simone.abels@leuphana.de) eingereicht werden, die nach der Tagung über die Aufnahme in das einzureichende Konzeptpapier entscheiden. Ob das Konzept für das Supplement angenommen wird, entscheiden die Herausgeber*innen der ZfDN. Die Veröffentlichung in der ZfDN wird für jeden Beitrag einzeln in Abhängigkeit vom Begutachtungsergebnis entschieden. Positiv begutachtete Beiträge werden unabhängig vom Begutachtungsergebnis der anderen Beiträge veröffentlicht.

  

Programm

Donnerstag, 15.07.2021
12:30 Begrüßung, Einstimmung
13:00 Keynote

Tanja Sturm (Universität Halle)

Grundlagen der Dokumentarischen Methode

Diskussion

mit Susanne Heinicke & Larissa Fühner (Universität Münster)

14:45 Pause
15:15 Interpretationswerkstatt 1

Sina Gómez Thews, Jürgen Menthe (Universität Hildesheim) & Thomas Hoffmann (Universität Innsbruck)

Kooperatives Arbeiten in Experimentierphasen

Interpretationswerkstatt 2

Andreas Helzel (Universität Halle)

Reflexivität und Sprachbewusstheit

angehender Lehrkräfte

17:15-17:45 Ausblick und Vertagung
Freitag, 16.07.021
9:00 Keynote

Barbara Asbrand (Universität Frankfurt) & Matthias Martens (Universität zu Köln)

Fachliche Vermittlungs- und Aneignungsprozesse rekonstruieren: Perspektiven der dokumentarischen Unterrichtsforschung

Diskussion

mit Helge Gresch (Universität Trier)

10:30 Pause
11:00 Interpretations-werkstatt 3

Enzinger, Sonja

Karina Podesser (PH Steiermark)

Schülerdiskussionen zu Umweltproblemen und Tierethik

Interpretations-werkstatt 4

Inka Haak (Universität Halle), Lara Gildehaus und Michael Liebendörfer (Universität Paderborn)

Analyse von Interviews zu Physiklernen in Lerngruppen in der Studieneingangsphase

Interpretations-werkstatt 5

Elisabeth Hofer (Universität Lüneburg), Sandra Puddu (PH Wien), Brigitte Koliander (PH Niederösterreich)

Lehrpersonen sprechen über Forschendes Lernen

13:00 Mittagspause
14:00 Vortrag 1

Nadezda Strunk& Dietmar Höttecke (Universität Hamburg)

Orientierungen von angehenden Physiklehrkräften auf die Rolle von Sprache im Physikunterricht

14:45 Vortrag 2

Frederik Bub & Thorid Rabe (Universität Halle)

Technik und Verantwortung im Physikunterricht

15:30 Pause
16:00 Vortrag 3

Brigitte Koliander (PH Niederösterreich), Thomas Plotz (KPH Wien) & Simone Abels (Universität Lüneburg)

Fachbezogene Interaktionen von Schüler*innen und Lehrperson im Chemieunterricht während des Destillierens

16:45-17:00 Ausblick und Vertagung
Samstag, 17.07
9:00 Interpretationswerkstatt 6

Petra Olschewski, Kirsten Schlüter

(Universität zu Köln)

Forschendes Lernen im Biologielehramtsstudium. Dokumentarische Rekonstruktionen studentischer Gruppenarbeitsprozesse

Interpretationswerkstatt 7

Christina Priert, Jürgen Menthe

(Universität Hildesheim)

Orientierungen von Jugendlichen im Kontext Klimawandel

11:00 Pause
11:30 Vortrag 4

Jens Steinwachs (Universität Münster) & Helge Gresch (Universität Trier)

Orientierungen von (angehenden) Biologielehrpersonen bei der Wahrnehmung des Umgangs mit Schülervorstellungen im Evolutionsunterricht

12:15-13:00 Plenumsgespräch und Zusammenführung

Dokumentarische Methode und naturwissenschaftsdidaktische Forschung

Organisatorisches zur Dissemination

Ausblick

 

 

SPT "Naturwissenschaftsdidaktik und Dokumentarische Methode"


  • Juli 15, 2021 - Juli 17, 2021
    12:30 pm - 1:00 pm